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Lügen macht erfinderisch – Filmkritik

Luegenmachterfinderisch

Es klingt wie das reinste Utopia: der Film spielt in einer Welt, in der jeder Mensch immer und überall die Wahrheit sagt. Für Lügen gibt es nicht einmal ein Wort – warum auch? Es gibt sie ja gar nicht. Bis eines Tages der erfolglose Drehbuchautor Mark (Ricky Gervais) in der Bank aufgrund eines EDV-Ausfalls nach seinem Kontostand gefragt wird… Da ihm jeder Mensch wirklich alles glaubt und nirgends auf Misstrauen stößt, lügt er sich fortan in Richtung Erfolg. Doch ihm ist nicht nach Reichtum und Berühmtheit: eigentlich will er nur bei der attraktiven Anna (Jennifer Garner) landen, die absolut nicht seine Liga ist…


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Ricky Gervais ist im Grunde ja ein hochtalentierter Komiker. Sein Geniestreich „The Office“ wurde in diversen Ländern kopiert, hierzulande als „Stromberg“. Mit Filmen hat der Gute leider kein so glückliches Händchen. Schon seine letzte Hauptrolle in der Gespenster-Komödie „Wen die Geister lieben“ wirkte wesentlich undynamischer als seine TV-Arbeit. Und auch in diesem Film bleibt Gervais sowohl als Darsteller als auch als Drehbuchautor weit hinter seinen Möglichkeiten.

Anfangs geht der Witz mit dem Leben ohne Lüge noch prima auf. Denn anstatt einfach nur aus einer höflichen Lüge eine grundehrliche Beleidigung zu machen, bekommen alle Menschen auch dann gehörig Meinungen an den Latz geknallt, wenn man im echten Leben eigentlich den Rand hält. Dialoge wie „Hoffentlich läuft unser erstes Date heute auf Sex hinaus.“ – „Ich befürchte nein, Sie sind mir dafür zu dick und erfolglos“ offenbaren einem all das, was im echten Leben unter verhaltener Freundlichkeit verborgen bleibt. Schade nur, dass dieser Witz keinen kompletten Film zu tragen vermag.

Vermutlich hängt das Scheitern des Films auch eng mit seinem Thema zusammen. Zwar hatte ich kein Problem damit, dass Mark durch seine Lügereien gegenüber Unbedarften vielerlei Vorteile erlangt. Aber: wie soll ich ihm wünschen, eine Frau herumzubekommen, die ihn mit sehr deutlichen Worten als „unbrauchbaren Partner“ bezeichnet? Ein Happy End, das nur durch stete Überredungskunst des Werbenden erreicht wird, ist ungefähr so wie Esspapier: man hat zwar was zu kauen, aber es ist ohne Geschmack und macht erst recht nicht satt.

Dass der Film sich mehr und mehr dem Romantik-Part zuwendet, macht ihn nicht besser, sondern schmälerte noch mehr mein Interesse. Was relativ lustig mit ein paar guten Einfällen begann, die auf eine nette Komödie mit einem interessanten Setting hindeuteten, endete so in absoluter Beliebigkeit. Da werfe ich doch lieber noch mal meine „The Office“-DVDs in den Player…

Geschrieben von am 16. Juli 2010 unter Filmkritiken || keine Kommentare

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