Iron Man 2 – Filmkritik
Die Nachrichtensender der ganzen Welt verkünden: Tony Stark (Robert Downey Jr.) ist Iron Man. Jener Superheld, der mit seinem unschlagbaren Kampfanzug den Weltfrieden hergestellt hat, einfach durch die Tatsache, dass sich keiner mit seiner unkaputtbaren Superwaffe anlegen will. Nur zwei Menschen wollen ihm dann doch an den Kragen. Zum einen der Industrielle Justin Hammer (Sam Rockwell), der davon träumt, die Vereinigten Staaten mit einer Armee aus Iron-Man-ähnlichen Kampfanzügen zu bestücken. Zum anderen der Russe Ivan Vanko (Mickey Rourke). Statt bloßer Geldgier ist ihm der Tod von Stark eine Herzensangelegenheit. Schließlich hat Starks Vater dem von Vanko seinerzeit ganz übel mitgespielt. Kurzerhand baut er sich eine ähnliche Energiequelle, setzt statt auf eine Komplett-Stahl-Ummantelung auf elektrisierende Peitschen und macht nach einigen Zwischenstationen gemeinsame Sache mit Hammer. Stark muss überdies feststellen, dass sein Anzug zwar unbesiegbar ist, die Energiequelle, die Anzug und Träger mit Lebensenergie versorgt, aber so ihre Tücken hat.
Was „Iron Man“ für mich schon seit dem ersten Teil von den vielen anderen Superhelden-Verfilmungen abgehoben hat, ist sein perfekt gecasteter Hauptdarsteller. Wenn einer für die Rolle des egozentrischen Multi-Milliardärs wie geboren erscheint, dann Robert Downey Jr.. Vielleicht der einzige, dem man die Arroganz und Großkotzigkeit auch deswegen zugesteht, weil man das Gefühl hat, dass sein echtes Leben von dem des Tony Stark nicht allzu stark abweicht. Und vor allem: weil er sich angesichts seines schauspielerischen Talentes (und zugegebenermaßen auch wegen seines Aussehens) diese Arroganz auch durchaus leisten kann.
Hinzu kommt, dass „Iron Man“ einfach nur rockt (auch wenn dieser Ausdruck seit der BILD-Werbung mit Sarah Connor eine negative Konnotation hat). Bei „Iron Man“ bin ich auch vor allem wegen der schön straighten Rock-Musik in den Action-Szenen so richtig bei der Sache. Und wenn Stark dann gleich zu Beginn ein paar halsbrecherische Runden über dem nächtlichen L.A. dreht, während knochentrocken AC/DC aus den Boxen plärrt, kann ich mir nur schwerlich ein Freudentränchen verdrücken: Iron Man is back! Während ich bei anderen Superheldenfilmen zwar auch gebannt mitfiebere, so gehört „Iron Man“ doch zu den wenigen Momenten, bei denen ich am liebsten mit geballter und nach oben gereckter Faust aus dem Kinosessel aufspringen will, um „Hell yeah! Tritt sie in den Arsch!“ in Richtung Leinwand zu schreien. So macht Action-Kino Spaß!
Robert Downey Jr. ist über jeden Zweifel erhaben. Er ist Tony Stark. Punkt. Keine Diskussionen! Sam Rockwell gibt den Waffenproduzenten mit einer Gratwanderung aus Profitgier und einem Handeln, nah an der Grenze zur Lächerlichkeit. Finde ich gut gelungen, schimmert da doch ein wenig durch, dass die Story auf einer Comic-Vorlage beruht. Solche Verfilmungen müssen schließlich auch ein wenig plakativ sein. Einziger kleiner Hänger: Mickey Rourke. Mal ehrlich: wenn man den mit all seinen Tattos und der strähnigen Mähne sieht – der sieht doch aus wie der „All American Bad-Ass“, aber wie ein Russe? Niemals. Die aus dem Trailer her bekannte Szene vom Formel Eins-Rennen in Monaco hinterlässt schon ordentlich Eindruck. Schade, dass seine Figur im Rest des Films ein wenig aus dem Focus gerät. Hätte das Drehbuch da noch ein paar Szenen mehr hergegeben, hätte Rourke tatsächlich der fieseste Bösewicht seit Heath Ledgers Joker in „The Dark Knight“ werden können.
Frauentechnisch ist der Film aber brillant besetzt. Gwyneth Paltrow hätte ich auch gerne als Assistentin und Scarlett Johanson ist zumindest in ihrer Kampfszene geschmeidig wie eine Katze und gibt ihrem Blick die rechte Mischung aus Kaltblütigkeit und Sexyness.
Wer glaubt, „Iron Man 2“ wäre ein Effektfeuerwerk sondergleichen, das sich von einer Action-Szene zur nächsten, noch imposanteren treibt, der wird enttäuscht. Echte Action-Szenen sind eher Mangelware, vielmehr legt der Film deutlich mehr Schwerpunkt auf seine Charaktere und deren Entwicklung. Ergibt ein Großteil der Handlung wirklich Sinn und führt so zielstrebig auf den finalen Kampf hin (den ich übrigens nicht so schwach fand wie viele der Kritiker), wirkte die Storyline rund um Nick Fury (Samuel L. Jackson) sehr deplaziert und zu wenig anerzählt. Die hätte man lieber ganz raus lassen sollen. Auf ein Augenzwinkern a la „Und denkt daran, bald gibt’s dann noch mal einen Kracher mit all den Superhelden, die du toll zu finden hast“ hätte ich verzichten können.
Ansonsten bietet der Film die gewohnte Mischung aus smarten Dialogen und gut choreographierten Action-Szenen, die nie so konfus werden, dass man die Übersicht verliert. In Zeiten von Transformers verkommt so was schon fast zur Kunst. Abschließendes Urteil: unterhaltsames Popcorn-Kino mit netten Schauwerten und guten Darstellern.
Durchschnittliche Bewertung von "Iron Man 2" bei 1 Bewertung: 8/10 Sternchen
Geschrieben von andreas am 11. Mai 2010 unter Featured, Film, Filmkritiken || keine Kommentare
Tags: iron man 2, Mickey Rourke, robert-downey-jr, Sam Rockwell
