Avatar / Gamer / Das Kabinett des Dr. Parnassus / Fame – Filmkritik
Okay, der Titel mag vom Wortvogel abgeguckt sein, aber momentan hängt meine Schreib-Laune doch noch ein wenig in den Seilen. Es heißt ja: es gibt nix Gutes, außer man tut es. Und deswegen will ich Euch meine Meinung zu einigen aktuellen Filmen doch nicht so ganz vorenthalten, auch wenn es nicht zu wirklich ausgefeilten Kritiken gereicht hat.
Avatar
Was soll man noch groß zu einem Film sagen, über den eigentlich schon jeder alles gesagt hat? Ja, die Story war platt und hat mich ziemlich häufig an „Der mit dem Wolf tanzt“ erinnert. Und ja, die Bisophäre auf dem Planeten Pandora sah hervorragend aus, sowohl die fast-menschlichen Bewohner als auch die Tiere. Einzig die Pflanzen, die bei jedem Schritt den Boden erleuchten ließen erinnerten mich zu sehr an „Billy Jean“, als dass ich sie hätte gut finden können. Und, na klar: der 3D-Effekt wurde bisher noch nie so hervorragend in Szene gesetzt. Aber: die große Kino-Revolution ist eben doch ausgeblieben. Zwar steuert „Avatar“ zielsicher auf den Platz des Film mit dem größten Einspiel aller Zeiten, aber für einen wirklichen Klassiker bietet er dann doch zu wenig. Die Charaktere sind alle viel zu plakativ: der arme Marine, der sich auf krumme Dinger einlässt, in der Hoffnung, seine Querschnittslähmung überwinden zu können; die gutherzige Wissenschaftlerin, die sich gegen ihren Willen beim Militär anbiedern muss; ein knochenharter General, der mit Widerständlern gerne kurzen Prozess macht und noch ein paar andere Figuren kommen frisch aus dem Stereotypen-Baukasten.
Unterhalten kann der Film durchaus, kaum eine Minute ist langweilig – und das trotz 161 Minuten Laufzeit. Aber so richtig kann ich mich für so eine flaue Story trotz all der tollen Effekte nicht begeistern.
Gamer
Die Welt wird immer verrückter. Während wir heute für Bauern noch Frauen suchen und kaputten Existenzen dabei zusehen, wie sie ihren Schuldenberg in den Griff bekommen wollen, werden laut „Gamer“ in der Zukunft viele Menschen vor der Glotze sitzen, um einen Ego-Shooter im realen Leben zu verfolgen. Konnten wir früher auf GIGA bereits einigen Dödeln beim Daddeln zusehen, kontrollieren in Zukunft die Spieler keine Pixelmännchen, sondern echte Strafgefangene. Diese erhoffen sich durch die Teilnahme am Spiel die Freiheit. Bisher hat keiner der Neuzeit-Gladiatoren das Ende des Spiels je erlebt. Nur Kable (Gerard Butler) steht kurz vor dem entscheidenden Spiel – und dreht durch.
Gerard Butler tut eigentlich gut daran, für Action-Filme vor die Kamera zu treten. Irgendwie passt dieser Grobklotz nicht so recht in Filme wie „P.S. – Ich liebe Dich“ oder „Die nackte Wahrheit“. Aber bitte beim nächsten Mal wieder ein besseres Drehbuch raussuchen, ja? Das, was hier geboten wurde, war unterste Schublade. Action-Szenen, in denen konzeptlos Granaten explodieren und im Sekundentakt Gegnern der Kopp weggeschossen wird, funktionieren hervorragend als Computerspiel. Als Zuschauer eines Films will ich aber nicht nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Gewalttaten, sondern zumindest ansatzweise noch einen Sinn dahinter sehen; durch Spannung unterhalten werden. Aber die blieb hier leider komplett auf der Strecke. Aus der Idee hätte man mehr machen können. Die YouTube-Generation hat mit „Gamer“ ihren nächsten „Ey, krass, Alter!“- Film; ich habe eine wirkliche Enttäuschung.
Das Kabinett des Dr. Parnassus
Terry Gilliam muss man schon mögen, um seine Filme ansatzweise gut zu finden. Wer bei „Time Bandits“ schon den Kopf schüttelte, warum ein Riese auf einmal ein ausgewachsenes Piratenschiff samt Besatzung auf dem Kopf trug, der wird mit „Parnassus“ nicht viel anfangen können. Eigentlich habe ich ja schon einen Hang zu den Gilliam’schen Skurrilitäten. „Monty Python“ war teilweise hervorragend abgefahren. Aber was uns der Meister hier auftischt, ist doch eine herbe Enttäuschung. Die Story zusammenzufassen ist ebenso schwer wie belanglos. Im Großen und Ganzen geht es um einen Zauberspiegel, durch den Menschen in eine Welt gelangen können, die nach ihren innersten Wünschen gestaltet ist. Klingt gut? Ja, war es eigentlich auch. Wenn nur die erste Hälfte nicht solche Längen gehabt hätte. Sehr behäbig kommt der Koloss in Fahrt, obwohl er anscheinend gar nicht so recht weiß, wo er hin will. Und da ich schon zur Halbzeit die Lust am Film verloren hatte, konnten auch die zgegeben fantasievollen Zwischenwelten im zweiten Teil nichts mehr reißen. Dass dieser Film von einigen als „Schon jetzt der beste Film des Jahres“ abgefeiert wird, ist mir absolut unverständlich. Vielleicht gab es vor den Pressevorführungen Cocktails…
Fame
Das Remake des gleichnamigen Films von 1980 erzählt ebenso wie das Vorbild von unterschiedlichen Künstlern, die an der High School of Performing Arts in New York aufgenommen wurden. Hier versammeln sich talentierte Tänzer, Sänger, Musiker und Schauspieler, um ein solides Fundament für eine Karriere in ihrer Branche zu legen. Doch schon hier, bevor es so richtig losgeht mit dem wahren Leben da draußen, müssen sie feststellen, dass niemand auf sie gewartet hat und der Weg nach ganz oben tatsächlich ziemlich steinig und voller Irrungen sein kann.
Mit großem Entsetzen habe ich vor dem Film einen Trailer für die deutsche „High-School-Musical“-Kopie „Rock It“ gesehen und mir wurde angst und bange. Sollte nach diesem Werbefilmchen ein Film folgen, der mit „Hey wir sind gut drauf“-Typen und Herzschmerz eher an die jüngeren Teenager gerichtet ist? Mitnichten! Schon nach wenigen Minuten festigte sich bei mir der Eindruck, dass der Film durchaus „erwachsen“ ist. Dass die Handlung nah an der Realität ist oder zumindest sein könnte. Gleich zu Beginn zeigt sich der Unterschied zu Talentshows wie etwa „Deutschland sucht den Superstar“. Während dort viele Kandidaten auf ihre geistige Minderbemitteltheit oder auf den gängigen Ausspruch „Musik war schon immer mein Leben“ reduziert werden, nimmt „Fame“ seine Künstler ernst. Schon die Aufnahmeprüfungen sind spannend und wirken authentisch. Auch im Verlauf des Films hat man nicht das „DSDS“-Gefühl, einen zukünftigen Superstar vorgeführt und präsentiert zu bekommen, sondern ganz simpel ein paar Leuten, die für ihre Sache brennen, auf dem Lebensweg ein wenig zu folgen. Die Kunst steht hier im Mittelpunkt und verkommt nicht zum Selbstzweck wie etwa in HSM.
Nachdem meine anfängliche Skepsis gewichen war, stieg meine Überraschung angesichts der hohen Qualität des Films in ungeahnte Höhen. „Fame“ schafft es auf wundersame Weise, ein gutes Dutzend Akteure in den Mittelpunkt zu stellen und allen genug Platz einzuräumen, dass ihre Geschichte wichtig erscheint. Zwar springt der Film sehr häufig zwischen den vielen Handlungen hin und her, aber als Zuschauer behält man jederzeit den Überblick. Die einzelnen Schicksale wurden sehr geschickt miteinander zu einem großen Ganzen verwebt.
Die Musik kann ebenso wie das Drehbuch überzeugen, passt sie doch auch textlich in vielen Szenen zur dargestellten Handlung. Absoluter Höhepunkt ist Naturi Naughtons Solo-Nummer am Klavier. Zum einen hat diese junge Frau eine fabelhafte Stimme, zum anderen konnte ich ihre Hingabe zu dem Lied „On My Own“ fast physisch spüren. Gänsehaut!
Sicherlich ist dieser Film nicht jedermanns Sache. Ich halte ihm zugute, dass er bis auf eine einzige Szene (mein einziger Kritikpunkt) ohne konstruiert wirkende Musikeinlagen auskommt. Die Musik dient nur als Unterstützung. Zwar passen die Texte hier und da, aber die Musik bringt nie die Handlung voran. Gut so. Ich mag das. Und ich werde den irgendwann sicherlich noch mal gucken.
Durchschnittliche Bewertung von "Avatar / Gamer / Das Kabinett des Dr. Parnassus / Fame" bei 4 Bewertungen: 6/10 Sternchen
Geschrieben von andreas am 15. Januar 2010 unter Film, Filmkritiken || keine Kommentare
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