Filmkritik “Die Kinder der Seidenstraße”
Inhalt:
Der Film spielt in den späten 30er Jahren im vom Krieg geplagten China. Der Hauptcharakter George Hogg, ein britischer, junger Journaslist, wird Zeuge einer Massenhinrichtung, wird entdeckt und soll auch hingerichtet werden. Er wird von Widerstandskämpfern gerettet. Sie empfehlen ihm als Versteck und Betätigungsfeld ein im Hinterland angelegenes Waisenhaus. Dort wird Hogg nicht mit offenen Armen empfangen, sondern trifft auf Misstrauen und Hass. Erst die Vermittlungsversuche der britischen Wohltäterin und Ärztin ermöglichen erste Annäherungen zwischen Hogg und den Kindern. Nach und nach gewinnt er ihr Vertrauen, baut das Waisenhaus auf, sorgt für die Versorgung. Aber der Krieg rückt näher und so schmiedet er einen Fluchtplan für sie alle…
Ganz ehrlich?! Die Geschichte hätte spannend werden können. Ich möchte behaupten, sie gibt was her. Leider ist es in diesem Fall so gar nicht gelungen. Es wird keine Spannung aufgebaut. Ich habe den ganzen Film über kaum begriffen, welche Volksgruppen gegen wen kämpfen? Und was haben die Japaner damit zu tun? In Schulfach “Geschichte” war ich nie schwer von Begriff, aber den historischen Hintergrund des Films habe ich nicht durchschaut.
Sehr schade ist auch, dass die Darsteller nicht sonderlich sympathisch werden oder einem ans Herz wachsen. Auch wenn Hogg vom gut aussehenden Jonathan Rhys Meyers gespielt wird, die Figur hat keine Ausstrahlung.
Wirklich schlimm sind die pseudo-lyrischen Dialoge. Lahm, kitschig, zum-Kopf-schütteln. Stichwort “Du kannst sie haben” (kleiner Insider).
Die einzig positiv erwähnenswerten Dinge, die mir einfallen: es wirkt hochwertig produziert, einige starke Bilder (z.B. die Hinrichtungsszene zu Beginn) und schöne Landschaftsaufnahmen.
Fazit: Langweiliger Film, der sein Potenzial nicht mal ansatzweise ausschöpft.

Mit intensiven Bildern, die eigentlich keiner sehen möchte, startet der Film und schafft so schon eine Grundstimmung, die noch eine ganze Weile anhalten soll. Die Unterdrückung, die das Volk zu verleben hat, zeigt sich nicht nur in der wüsten Umgebung, sondern auch in den Gesichtern aller Statisten. Man fühlt dank teils fesselnder Kameraführung bereits nach Minuten mit Hogg, sodass der Film auf einer guter Basis startet.
Die Ankunft im Kinderheim gestaltet befremdlich und nur langsam kann Hogg die Sympathien auf sich ziehen. Meist mit der ausreichenden Zeit wird Stück für Stück Vertrauen aufgebaut und die ehemals verschreckten Kinder blühen spürbar auf. Man merkt die Zwischenmenschlichkeit, die einen großen Teil den Film trägt, fernab von Krieg und Meuchelmord, recht deutlich und erahnt, warum Hogg heutzutage von vielen Chinesen fast wie ein weiterer Gott behandelt wird.
Aber so schön die Bilder sind und so schön die Zwischenmenschlichkeit auch rüberkommt, so leidet der Film merkbar an eindeutiger Geschichtsverklärung. Viel zu rosarot wird alles aufgezogen, zu viel geht aalglatt: Die Kinder lernen in Windeseile die englische Sprache, währenddessen Hogg ebenso schnell fließend chinesisch spricht, um mit dem Militär zu verhandeln. Auch die ergreifenden Szenen oder spannungsgeladene Szenen, wie zum Beispiel das Auftreten von Militär, gerät angesichts des immerwährend guten Wetters zur Nebensache.
Und, so sehr es sich auch in mir sträubt, aber man kann den Film auch nicht eine gewisse Schmalzigkeit absprechen. Besonders zum Ende hin wird es geradezu übermäßig pathetisch und es wird mit jahrzehnte alten Phrasen gedroschen, die man zuletzt im schlechten Softporno der 70er gehört hat.
Schafft man es aber, sich über diese Hürden hinwegzusetzen und den Film als solches wirken zu lassen, so sieht man ein packendes Drama, das zudem noch auf einer wahren Geschichte beruht.

Um es ganz kurz zu machen: “So wie ‘Australia’ – nur in scheiße.”
Während sich Baz Luhrmanns Romanze tatsächlich in großen Teilen dem Kitsch verschreibt, wirkt die Love-Story hier tatsächlich wie “reingerotzt”. Da sagt ein alter Mitstreiter “Ich hatte sie mal, aber jetzt kannst du sie haben” und schon ist die große Liebe erweckt. Hinzu kommen schmachtvolle Dialoge, die das Niveau dieses über weite Strecken ganz erträglichen Films ziemlich nach unten reißen. Hätte man auf diese halbherzige Liebesgeschichte verzichtet (die geschichtlich auch nicht belegbar zu sein scheint), hätte es ein halbwegs brauchbarer Abenteuer-Film sein können. So werten einzig die schönen Landschaftsaufnahmen von China und Australien (…) den Film ein wenig auf. Warum der Film nach seiner Premiere auf der Berlinale 2008 noch so lange gebraucht hat, um in die Kinos zu kommen (warum eigentlich überhaupt im Kino?!), liegt wohl an der mäßigen Qualität.
Dass der Film zwar “based on a true story” ist, aber mit seiner gewollt-authentischen Erzählweise dennoch nicht so ganz bei der Realität bleibt, zeigt etwa dieser Auszug aus einem Artikel zu George A. Hogg aus der TimesOnline:
“It was an appalling journey made by foot, mule cart and finally by six ancient lorries (im Film: 4) in what proved to be the coldest winter in 20 years. Several mules and carts went over the edges of ravines but only two boys were lost (im Film: einer, und selbst dessen Totdesursache ist nur Fiktion) in the ten-week journey (im Film waren die Kids allein bis zum Zwischenstop über 90 Tage unterwegs). One died of a heart attack and the other turned back on his own.”
Durchschnittliche Bewertung von "“Die Kinder der Seidenstraße”" bei 3 Bewertungen: 3.7/10 Sternchen
Geschrieben von phil am 05. Oktober 2009 unter Film, Filmkritiken || keine Kommentare
