Filmkritik: “Der letzte Kuss”

Eigentlich sollte man meinen, erwachsen zu werden ist gar nicht so schwer – schließlich passiert das doch alles von ganz allein und abgesehen davon, dass man möglichste dem Sensenmann tunlichst aus dem Weg gehen sollte, braucht man nicht wirklich viel dazu beizutragen. Dass das Erwachsenwerden allerdings auch mit einigen Konsequenzen einhergeht, mit denen der eine oder andere seine Problemchen hat, zeigt dieser Film sehr deutlich.
Da hätten wir Michael (Zach Braff, „Scrubs“)), dessen Freundin schwanger ist. Doch anstatt sich auf die eigene kleine Familie im eigenen kleinen Häuschen zu freuen, bekommt er Torschlusspanik und lässt sich durch die Wirren seines Gefühlslebens einer anderen in die Arme treiben. Sein Freund Chris (Casey Affleck, „Gone Baby Gone“) ist schon ein paar Schritte weiter: der junge Vater hält die Doppelbelastung aus anspruchsvollem Job und quängeligen Kleinkind nicht aus und nimmt sich von Frau und Kind eine Auszeit. Izzy (Michael Weston) hingegen hängt der Beziehung zu seiner großen Liebe nach. Als er erfährt, dass sie einen neuen Freund hat, beschließt er auszuwandern. Und Kenny (Eric Christian Olsen)? Der vögelt sich durch die Weltgeschichte und hat mit der Lebensweise seiner Freunde so überhaupt nichts am Hut.
Andys Kritik: ![]()
Zugegeben: anfangs hatte ich mit der Story so meine Schwierigkeiten. Diese vier Ausgangssituationen wirkten für mich zuerst wie ein Drehbuch vom Reißbrett. Dass vier Freunde zum gleichen Zeitpunkt so ziemlich abdecken, was mit dem Thema „Erwachsenwerden und Beziehungen“ zu tun hat, war mir ein wenig zu sehr „right in your face“. Zach Braff hat ein so charakteristisches Gesich, dass er für mich immer „der aus ‚Scrubs’“ bleiben wird. Das ist anfangs auch schwer wegzudrängen, aber immerhin spielt er auch hier einen unbedarften Gutmenschen, der angesichts der auf ihn wartenden Verantwortung erst mal zurückschreckt und Unsinn treibt. Und so ganz will diese Ähnlichkeit des Serien- mit dem Filmcharakters auch den ganzen Film über nicht weichen.
Immerhin: nachdem die erste Stunde für mich eher belanglos war, gewinnt dieser Film dann doch in dem Moment, in dem die Probleme ihren Höhepunkt erreichen. Aus dem anfänglichen „das ist mir hier alles ein wenig zu platt erzählt“ erwuchs – zumindest bei mir – teilweise echte Anteilnahme. Und gerade das ist es ja, was ein gutes Drama ausmacht.
„Der letzte Kuss“ ist sicherlich kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss. Aber im Gegensatz zu „American Pie“ & Co. geht er das Thema „Erwachsenwerden“ mal großteils ernsthaft an, nicht ohne den einen oder anderen kleinen Witz am Rande zu bieten. Kein todernstes Drama, sondern ein Film, der in der Belanglosigkeit, mit der er das Thema aufarbeitet, fast schon wieder gelungen gut ist.

Durchschnittliche Bewertung von "“Der letzte Kuss”" bei 1 Bewertung: 7/10 Sternchen
Geschrieben von andreas am 18. Juli 2009 unter Film, Filmkritiken || keine Kommentare

