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Filmkritik "Harry Potter und der Halbblutprinz"

Filmkritik "Harry Potter und der Halbblutprinz"

Der böse Lord Voldemort hat seine alte Kraft zurückgewonnen und sorgt inzwischen nicht nur in der Welt der Zauberer, sondern auch in der Welt der normalen Menschen für Aufruhr und Chaos. Harry Potter, der am liebsten sofort gegen Voldemort kämpfen würde, wird von Professor Dumbledore zurückgehalten. Erst soll er verstehen wie aus dem introvertierten Schüler Tom Riddle der böseste Zauberer aller Zeiten werden konnte. Unter den Schülern in Hogwarts macht sich derweil die Liebe breit. Hier und da wird rumgeknutscht – im Fall von Ron natürlich mit der Falschen… Ich darf mir ja eigentlich kein Urteil erlauben: Ich habe das zweite Buch nach der Hälfte resigniert zur Seite gelegt und nur die ersten drei Filme auf DVD gesehen.
Und nun schaue ich mir den sechsten Teil an, ohne Teil 4 und 5 gesehen zu haben. Sünde, Sünde.

Und doch:
Joah, nett. Ich habe zwar sinnzusammenhängend nur wenig verstanden, schließlich ist eine Menge passiert. Aber dennoch habe ich einen schönen Abend verlebt. Es gab Wortwitz, der die gesamte Story auflockerte. Die Ziele der Protagonisten waren nicht immer voll ersichtlich, was ich aber eher auf mangelndes Wissen als auf die umsetzung schiebe. Mir persönlich fehlte so etwas der Grusel, den ich besonders aus dem dritten Teil kannte. Die dunkle Atmosphäre kam aber gut herüber, man merkt, dass auf Hogwarts etwas verdammt schief liegt.
Besondere Längen habe ich nicht empfunden, auch die Lovestory störte nicht. Dank der flotten Sprüche unter den Dreien wurde manche Nervigkeit auch perfekt aufgelockert. (Spoiler – einmal weiße Stelle markieren)Was aber selbst mir auffiel, war der verdammt schnelle Tod von Dumbledore. Ein solch mächtiger Zauberer und wichtige Person im Potter-Universum darf nicht einfach -puff- sterben.(Spoiler Ende) Die anderen hier angemerkten Themen, dass Hogwarts an Eigenleben in Form von bewegenden Treppen oder lebenden Bildern einbüßt, ist ein weiterer kleiner Störfaktor.

In der Summe sah ich aber einen netten abendfüllenden Film, der weder wehtut, noch als besonderes Highlight in meine Filmhistorie eingeht.

Buch Nummer sechs war irgendwie nur eine Art Lückenfüller. Viel ist nicht tatsächlich passiert. Und dennoch: weit mehr als im Film. Ich frage mich wirklich wie man einen Film mit mehr als 150 Minuten Laufzeit produzieren kann, der so wenig Handlung aus dem Buch übernommen hat. Der sogar im Titel erwähnte Halbblutprinz kommt fast gar nicht vor. In einer Szene sieht man wie Potter mithilfe des Zaubertrank-Buches des Halbblutprinzen einen tollen Trank fertigt – an anderer stelle offenbart der Halbblutprinz seine Identität. Mehr ist nicht. Im Buch gab es um den Halbblutprinzen eine ganze Menge Rätselraten, inklusive Hermines Standard-Recherche in der Bibliothek. All das, was dem sechsten Buch noch so halbwegs Handlung verliehen hat, ist im Film einfach mal hinten runter gefallen.

Anstatt sich das wenige Spannende des sechsten Buches herauszusuchen, hat man sich lieber auf den Ringelreigen der hormongesteuerten Schüler konzentriert. Und so hat Teil sechs keine spannende Handlung, die einen hier und da mitfiebern lässt, sondern unterhält ziemlich belanglos mit verliebten Teenagern. Das funktioniert hier und da zwar auch ganz gut, aber mit einem Potter-Film hat das alles nicht wirklich viel zu tun. Zwar wird gerade zu Beginn effektmäßig ziemlich auf den Putz gehauen, dafür ist das Ende viel zu knapp, viel zu schwach und hat nicht viel mit der Buchvorlage gemein.

Eigentlich ist Teil sechs wirklich solide produziert, die düstere Atmosphäre ist großteils gut in Bildern umgesetzt, die Schauspieler geben sichtlich ihr Bestes (Helena Bonham Carter ist die beste Geistesgestörte ever – schon seit „Fight Club“!). Doch all das nützt nicht viel, wenn das Drehbuch so uninspiriert daher kommt, dass auch nicht ein Fünkchen Spannung aufkommen will.

Was bleibt ist das Gefühl, für einen Überlängenfilm sehr wenig Handlung geboten bekommen zu haben und eine schwindende Hoffnung auf ein gelungenes Finale in den beiden Verfilmungen des siebten Bandes.

Durchschnittliche Bewertung von "Harry Potter und der Halbblutprinz" bei 2 Bewertungen: 4.5/10 Sternchen

Geschrieben von am 20. Juli 2009 unter Film, Filmkritiken || 2 Kommentare

2 Responses

  1. berg-ulme sagt:

    Moinsen,

    ich habe den Film gestern gesehen und fand ihn überraschend gut. Obwohl ich mich dem Zauber von Harry Potter schon entwachsen glaubte, hat es die alten Lesegefühle angerührt und ich denke, ich werde den 6. Band erneut lesen, obwohl ich sonst nie ein Buch zweimal lese.

    Die düstere Stimmung war sehr gut, da hat die Romantik nicht so gepasst und kam teilweise total unverständlich rüber. Das ist aber nicht so schlimm, wie es sich anhört, weil man sich auch so fühlt, wenn man das Buch liest. Es taucht so ein komisches Wesen auf, bei dem man sich fragt, wo es herkommt, was es will und ob es wirklich glaubt, einen mit seiner schlechten Imitation dazu zu bringen zu denken, dass es Ginny Weasley sei. Anyway, insgesamt wirkte der Film etwas zerstückelt, was daran liegt, dass Band 6 so lang ist.

    Der mit Abstand coolste im Film war Malfoy (und auch der Bestangezogenste (neben Big D ;-) )!!! Bei seine Szenen hat man das Gefühl, das der Regiesseur richtig Spaß hatte. Ich fand, dass er die meiste Emotion rübergebracht hat. Das kam im Film sogar besser rüber als im Buch.

    Nicht so gepackt hat mich (Ihr habt keine Spoilerfunktion für eure Kommentar)
    “Die Szene in der Höhle und alles, was damit zusammenhängt”. Das ist Schade, wobei, dass eine von den vier Potterszenen war, die mir richtig an die Nieren gingen.

  2. Elsa sagt:

    Du bist dir aber schon im klaren, dass Dumbledores tot einen tieferen Sinn hat? Das wird im 7. Teil sehr gut dargestellt und auf einmal ergibt alles einen Sinn.

    Schon eine Sünde eine Kritik zu schreiben ohne die Bücher zu kennen.

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