Filmkritik "Eldorado"

Story:
Yvan kommt nach einem harten Arbeitstag nach Hause und findet sein Haus durchwühlt vor. Er hat so ein Gefühl und es bestätigt sich: Der Einbrecher ist noch im Haus. Die gesamte Nacht versteckt sich der Einbrecher unter dem Bett, Yvan harrt davor aus. Als der Einbrecher flüchten will, kann Yvan ihn stoppen. Nun sitzt der heruntergekommende Elie vor ihm und weiß nicht wohin. Yvan setzt ihn an der nächsten Kreuzung der Landstraße aus, aber am Abend steht Elie immer noch da.
Er beichtet Yvan, dass er gerne seine Mutter in der Stadt treffen möchte. Aller Abscheu zum Trotz überwindet sich Yvan und fährt Hunderte von Kilometer, um denjenigen, der vor wenigen Stunden in sein Haus einstieg, zu den Eltern zu fahren…
Phils Kritik:
So skurril die Geschichte allein schon scheint, so abgefahren ist auch der Film. Wer nun aber ein komisches Roadmovie erwartet, liegt falsch.
Dass der Film seine eigene Erzählgeschwindigkeit hat, bemerkt man schon in den ersten Minuten. Nur langsam und wortkarg schreitet die Story voran, häufig ist es minutenlang still. Ungewöhnlich ist die Erzählgeschwindigkeit, kurios ist auch der Komödienanteil des Films: Es ist schon als subtiler Humor zu bezeichnen, einer "Nein-Doch-Nein-Doch"-Wortkette über knapp eine Minute beizuwohnen. Auch die Protagonisten sind weniger der Normalo, Yvan als einsamer Autoverkäufer, Elie als augenscheinlich drogensüchtiger Landstreicher, der tief in sich nur Kontakt sucht.
Leider trifft weder die Erzählweise noch der Humor den Geschmack der Kinozuschauer. Häufig ist eine langsame Erzählweise förderlich, um tiefer in die Charaktere zu schauen, die Mimik statt Worte sprechen zu lassen. In diesem Film scheinen die Szenen eher Mittel zum Zweck und nicht förderlich für das Verständnis der Charaktere. Der Humor ist, wie schon erwähnt, eher speziell und spricht hier auch einen ganz besonderen Teil der Zuschauer an, andere brauchen eine lange Zeit, sich in das Subtile einzulassen. Geradezu ungewohnt platten Humor erfährt man in der Mitte des Films, wo Skurrilität der Situation sowie der Charaktere auf die Spitze getrieben wird und auch Uninteressierte zum Lachen animiert.
In der Summe erhält man einen Film, der nur für wahre Fans des Arthouse-Genres ist, denn weder Optik noch Story noch Umsetzung sind besonders hervorragend. Und doch hat der Film seinen ganz eigenen, so nie da gewesenen Stil, der -wenn man ihn kennt und auf ihn vorbereitet ist- vielleicht mehr Anhänger finden könnte.
Note:
4
Geschrieben von phil am 18. Mai 2009 unter Film, Filmkritiken || keine Kommentare

