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Filmkritik: “Marley & ich”

Filmkritik: “Marley & ich”

Wer im Film- und Fernsehgeschäft eine sichere Bank sucht, der landet fast
zwangsläufig bei Tieren. Egal ob Lassie, Fury, Flipper, Charlie, Huutsch,
Rex, Beethoven und wie sie alle heißen: Tiere ziehen immer. Und auch wenn
der Publikumserfolg meist sehr berechenbar erscheint: "Marley & ich" bricht
mit vielen Traditionen der "normalen Tierfilm-Unterhaltung".

Kurz nach der Hochzeit bemerkt John bei seiner Angetrauten Jenny, dass sie
einen Hang zum Nestbau entwickelt: sie möchte gern Kinder. Doch um nicht
schon in jungen Jahren zum drögen Familienvater zu mutieren, kauft er seiner
Frau einen Labrador-Welpen. Mit seinen sehr ausgeprägten Flausen (ausbüxen,
Sofapolster zerfressen) kostet der seine Besitzer den letzten Nerv. Jeden
Tag denkt sich Hund Marley neue Möglichkeiten aus, um John und Jenny zu
terrorisieren.

Stop! Der vorherige Absatz ist eine kurze Inhaltsangabe, die man aus dem
Trailer zum Film schließen könnte. Tatsächlich läuft "Marley & ich" schnell
aus dem tierkomödiantischen Ruder und entwickelt sich zu einem nicht ganz
lupenreinen Drama. Denn anstatt wie viele andere Filme nur auf den Charme
der tierischen Hauptdarsteller zu setzen und 90 Minuten mit Gags zu füllen,
orientiert sich dieser Film nach einer knapp bemessenen Anfangsphase
vielmehr an den menschlichen Darstellern. Nervensäge Marley gerät in den
Hintergrund, während Fragen wie Familienplanung und Erfüllung im Job in den
Fokus geraten.

Wer glaubt, seinen Kindern hier mit einer Art Realverfilmung von "Bolt" was
Gutes zu tun, wird schnell merken, dass dieser Film eigentlich gar nichts
für Kinder ist. [kleiner Spoiler voraus] Spätestens bei der Totgeburt von
Jenny wird klar, dass dieser Film nicht für Kinder gedacht ist – und sie
fortfolgend auch nicht gut unterhält.

Grundsätzlich ist das Konzept, ein Hundeleben mal im ganzheitlichen Umfeld
einer Familie zu betrachten, nicht schlecht. Zu sehen wie sich aus einem
Paar während eines Hundelebens eine Familie bildet, die durch Freud und Leid
geht, ist allerehrenwert. Aber dieser gute Grundgedanke wurde sehr schlecht
in Szene gesetzt. Hauptproblem: der Film kann sich nicht entscheiden
zwischen Drama und Komödie. Und während andere Filme diese Mixtur klasse
hinbekommen ("Little Miss Sunshine", "Dan – Mitten im Leben"), hat man nach
"Marley & ich" das Gefühl, weder Fisch noch Fleisch vorgesetzt bekommen zu
haben. Nicht genug Lacher und erst recht nicht genug Tiefgang.

In den ersten 30 Minuten liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Komödie.
Marley ist der Mittelpunkt, um den sich der ganze Film zu drehen scheint.
Doch dann kippt der Film in Richtung Drama. Der anfangs so lustige Marley
wird zur unnötigen Randfigur, die einfach hier und da mal durchs Bild tappt.
Spätestens dann, wenn sich die Familie in all ihre Alltagsprobleme
versteigt, fragt man sich "…und was hat das nun alles mit dem Hund zu
tun?" Neee, Freunde. So nicht.

Erfahrungsberichte von Kinobesuchern belegen eindringlich, dass "Marley &
ich" kein Feel-Good-Film für Kinder ist. Auch bei uns hampelten die Kids
nach kurzer Zeit lieber an der Leinwand rum als ihre Aufmerksamkeit dem Film
zu widmen. Im Gegensatz zum unsterblichen Lassie halten es die Filmemacher
hier mit der Realität und zeigen auch das leidvolle Ende des Tieres. Wer mal
wieder aus tiefstem Herzen heulen will oder seinen Kindern einen Schrecken
für’s Leben mit auf den Weg geben will, mag sich ein Kinoticket kaufen. Wer
eine lustige und kindgerechte Tierkomödie sucht, greift besser aktuell zum
eher durchschnittlichen "Hundehotel".

Durchschnittliche Bewertung von "“Marley & ich”" bei 1 Bewertung: 3/10 Sternchen

Geschrieben von am 12. März 2009 unter Film, Filmkritiken || 2 Kommentare

2 Responses

  1. Eric sagt:

    Naja wir hatten ja auch schon mal den “Haltestellenspoiler” gepostet:
    http://portal.film-gera.de/bilder/Marley-Spoiler.jpg

    ;-)

  2. Phil sagt:

    Zu dem Zeitpunkt habe ich es aber zugegebenermaßen noch für einen blöden Kinderscherz gehalten.

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