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“PIXAR – 25 Years of Animation” oder: Ein Tag in Bonn

Geschrieben von am unter Kolumne || 3 Kommentare

pixar

(Bild: Eingang zu den Pixar-Studios in Emeryville, kein Foto aus Bonn.)

Passend zum Start des jüngsten Pixar-Films Merida lässt sich zur Zeit in der Bundeskunsthalle in Bonn die Ausstellung “PIXAR – 25 Years of Animation” bewundern. Wie es sich gehört, habe ich meine letzte Ferienwoche dazu genutzt, einen kleinen Tagesausflug dorthin zu unternehmen. In Begleitung: Meine Freundin, mit einer wohl noch größeren Begeisterung für Pixar als ich. Also gute Voraussetzungen für einen sehr angenehmen Tag bei wolkenlosen 27°.

Der Tag beginnt gut, Zugverbindungen ohne Probleme, die vier Stunden Fahrt lassen sich nutzen, um ein bisschen zu lesen und Schlaf nachzuholen. Um 12.55 dann Ankunft am Hauptbahnhof in Bonn. Entgeisterung. Selten einen so verkommenen Bahnhof im Verhältnis zur Größe und (ehemaligen) Bedeutung der Stadt gesehen. Mit der U-Bahn zur Museumsmeile und schnell der Hitze in die kühle Kunsthalle entkommen.
Der äußere Eindruck ist dennoch hier spontan wesentlich besser als noch am Hauptbahnhof. Wuchtige, aber schöne Fassade, verglaster Eingang.

Im Foyer angekommen lassen sich die Warteschlangen mit dem vorab online erstandenen Ticket bequem umgehen. Doch die erste, aber nicht unerwartete Dämpfung unserer Stimmung stellt sich ein: Fotografieren und Trinken ist in der Ausstellung nicht gestattet. Daher kann ich bedauerlicherweise im Folgenden auch nicht mit Bebilderung dienen.
Aber dennoch geht es nun guter Dinge in die Ausstellung.

Erster Raum: Begrüßung von Sully und Mike aus der Monster-AG in Lebensgröße. Dazu zwei Touch-Terminals mit insgesamt gut 30-40 Minuten kurzer Videoclips, die sich sonst in den Special-Features der DVDs/BluRays finden lassen. Nichts Neues also, aber immerhin interessant. Jedoch muss gesagt werden, dass zwei Terminals mit einer solchen Fülle an Informationen vielleicht besser als Video-Raum mit Dauerschleife angelegt gewesen wären. Dem Besucherdrang halten diese beiden Dinger jedenfalls nicht ansatzweise statt, obwohl wir aufgrund des Wetters noch Glück hatten und recht wenig los war.

Der nachfolgende Raum beinhaltet zunächst allgemeine Informationen zu Animation und den technischen Prozessen der Filmproduktion bei Pixar. Dazu eine Timeline mit kurzer Chronik des Unternehmens. Also auch hier nichts Neues: Dass nicht einfach drauflos gebastelt wird, sondern ein langer Weg aus Konzeptzeichnungen, Storyboards und langsam detaillierter werdenden Render-Previews vor der Filmpremiere liegt, ist jedem klar, der zumindest grundlegend eine Vorstellung von der Materie hat.
Die Unternehmensgeschichte ist ganz nett, aber doch sehr grob und knapp zusammengefasst.

In den Räumen die nun bis zum Ende der Ausstellung folgen werden jeweils ihrem Film zugeordnet verschiedenste Skizzen, Storyboard-Auszüge, colorierte Farbzeichnungen, plastische Figuren-Modelle und dergleichen mehr präsentiert. Kurz vor dem Ende gibt es dann noch eine Film-Installation, in der aus verschiedenen Concept Arts, die man bis dahin betrachten konnte, eine Film-Collage mit Sound gemacht wurde. Ganz nett und optisch sehr cool.
Danach lässt sich Animation, um auch der Animations-Geschichte ein bisschen Ausstellungsfläche zu widmen, in ihren Kinderschuhen betrachten. In einem großen Zoetrop lassen sich einige bekannte Pixar-Charaktere bewundern, wie sie verschiedene Dinge tun. Nett und ganz interessant, mal diese Frühform der Filme kennengelernt zu haben.

Zum Abschluss, wie immer, ein völlig überteuerter und in diesem Fall noch sehr spärlich ausgestatteter Museums-Shop. Ende der Vorstellung.

Hm. Man hört vielleicht im Unterton heraus, dass ich nicht restlos begeistert davon war. Ich muss sagen, die Ausstellungsobjekte sind allesamt wunderschön und wirklich interessant, wenn man sie zB gedanklich mit dem Endprodukt vergleicht und so einen kleinen Einblick in den langen Prozess des Desings gewinnt. In jedem Raum wird man als Besucher überhäuft von optisch unglaublichen Zeichnungen und Modellen.
Aber es fehlt der wirkliche Einblick in die Produktion, die tatsächliche Auseinandersetzung mit Animationstechnik, ein neuer Blick hinter die Kulissen des Studios. Die wenigen Texte, die an Tafeln hängen, wiederholen sich häufig und beinhalten quasi keinerlei Neuinformation. Zudem ist die Sprache, sollte man diese Ausstellung z.B. als Familienziel anvisieren, nicht kindgerecht. Viele Fachbegriffe, Anglizismen, alle ohne Erklärung.

Insgesamt möchte ich dennoch nicht von der Ausstellung abraten. Für den Preis von 7.90€ sieht man sehr viele Eindrücke aus den Filmen, die man so noch nicht geboten bekam. Neue Blicke auf einige Szenen, dazu Charakter-Studien, wie Sully oder Woody auch hätten aussehen können und welche Flügel für die Heuschrecken aus Das große Krabbeln zur Diskussion standen. Wunderschöne Farb-Zeichnungen, die nur dazu dienen, durch ihre große Farbpracht die Stimmung einer Szene zu erschaffen.
Wie gesagt: Alles sehr nett, alles interessant, aber alles nicht neu. Fast alle Exponate lassen sich auch in dem Buch The Art of Pixar finden.
Mir fehlt einfach der informative Mehrwert, den ich von dieser Ausstellung erwartet hätte. Deswegen die Empfehlung: Für den Preis sollte man sich das auf jeden Fall ansehen, aber sich vorher klar machen, dass es sich eher um eine Kunst-Ausstellung als eine Film-Ausstellung handelt. Der Vorteil sind natürlich die Größe einiger Zeichnungen, die auf Buchformat nicht ihre volle Wirkung entfalten können und die Modelle, die sich in Glaskästen von allen Seiten betrachten lassen. Der Nachteil ist eben der Mangel an Informationen und Einblicken in das Pixar-Tagesgeschäft. Das sollte man vorher wissen, um nicht enttäuscht zu werden.

Nach etwa drei Stunden waren wir mit der Ausstellung also durch und sind noch ein wenig durch Bonn spaziert. Und das kann ich nun wirklich uneingeschränkt jedem empfehlen. Wer meint, die Anfahrtskosten nur für die Ausstellung lohnen sich nicht, sollte auf jeden Fall dennoch über einen Tagesausflug nachdenken. Bonn hat eine der schönsten deutschen Innenstädte, die ich bisher kennengelernt habe. Weiträumig, alt, gemütlich, erholsam. Viele Brunnen, Bäume, Plätze, Bänke, schöne Fassaden und schöne Geschäfte.
Der Tag nahm also nach der leichten Enttäuschung eine Wendung und wurde zu einem insgesamt sehr schönen Ausflug nach Bonn.

Also: Auf nach Bonn, ein bisschen durch die Ausstellung und nachher die Stadt genießen. Wer weiter anreisen muss, kann meines Erachtens sogar gut über ein ganzes Wochenende nachdenken. Zumindest am Rande dieses einen Tages habe ich einige Dinge gesehen, die mich auch zu einem längeren Aufenthalt reizen würden. Das Herbstwochenende in Bonn ist zumindest für mich schon mal grob auf dem Schirm.

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Januar in Bonn und kostet 10€ / 7.90€ ermäßigt. Alle Informationen und Vorverkauf gibt es hier.

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3 Kommentare

  1. phil sagt:

    Nun, aber drei Stunden Aufenthalt sind ja schon ganz OK für diese paar Räume, oder?

  2. Lars sagt:

    Schon, aber dafür, dass ich mich sonst wesentlich länger in Museen und Ausstellungen aufhalten kann, war das etwas dünn. Wie gesagt, vor allem inhaltlich – die drei Stunden kamen mir auch vor wie drei Stunden.

  3. nilsfrank99 sagt:

    Kann deine Meinung sicherlich verstehen, wäre mir genauso gegangen….
    Vielleicht wollte ja die “Kunsthalle” ihrem Konzept von “Kunst” behalten und halt das Auge nur auf das “künstlerische” gelegt hat!

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