Offroad – Filmkritik

Meike (Nora Tschirner) lebt in einem Dorf voller Traditionen: Die Mitgliedschaft im Schützenverein ist genau so selbstverständlich wie die großen Artbeitstugenden oder beruflich in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Das gesamte Leben vorprogrammiert. Doch Meike will anders und kauft sich rebellisch einen Jeep, um ihrem Traum, einmal die Sahara zu sehen, zumindest ein kleines Stück näher zu sein. Dass sie damit gleich auch noch 50kg Schmuggel-Kokain im Wert von 2,5 Mio. EUR im Kofferraum mitkauft, das merkt sie erst später.
Aber nun ists da, das Abenteuer, nach dem sie sich so sehnte: Meike reist nach Berlin, um das Koks zu verticken. Natürlich klappt das als Landpomeranze nicht ganz einfach und als es gerade arg bergab mit Meike gibt, da hilft ihr Salim (Elyas M’Barek) wieder auf die Beine. Aber nicht nur das Verticken ist schwer, natürlich gehörte das Koks wem Anderes und diese Leute haben Meike schnell ausfindig gemacht…

Der Trailer hat -wie so manch anderer Film- zwei Fehler gemacht:
Erstens macht der Trailer hungrig auf eine Komödie. Das Potential ist ja auch da: Eine eher in Traditionen festgefahrene Frau reisst aus und vertickt Koks – also mit das krasseste Gegenteil, was man sich vorstellen kann. Dazu kommt die ständige Flucht und natürlich noch der Quoten-Türke. Aber dummerweise ist die erste Dreiviertelstunde herrlich unspektakulär und hat so gar keinen Komödienflair. Streng genommen hat die erste Dreiviertelstunde so gar kein Flair, der Film nimmt sich diese Zeit, um die Grundstory zu erzählen. Dass man all das in spürbar weniger als der Hälfte hätte abreissen können, verliert er dabei aus den Augen.
Zweitens, und das ist viel schlimmer, kommen die besten Sprüche mal wieder schon im Trailer vor. Leidet der Film doch eh unter Komik-Armut, so bricht es ihm schon schier das Kreuz, die besten Pointen vorweg zu nehmen. Auch kann sich der Film nicht so richtig entscheiden: Für ein Roadmovie zu wenig abenteuerlich, für eine Komödie viel zu unlustig, für ein Drama zu wenig Dramatik. Nur die Romanze zwischen Meike und Salim, die ist als Genrerichtung als einzige haltbar.
Doch auch abseits von den Erwartungen im Trailer hat der Film so manche Probleme: Wird Meike in der einen Szene noch aufgrund ihrer schlechten Verhandlungstaktik zusammengeschlagen, so kennt sie wenige Szenen später schon genau die Tricks, um in einem belebten Hotelfoyer mit Kunden zu verhandeln. Es muss sich hier um eine göttliche Eingebung ala Matrix handeln: Kurz Software einspielen und schon kann man Helis fliegen, äh, Koks verticken. Solche Wissenssprünge gibt es einige Male und sie stören den Filmlauf immens.
Lichtblicke sind einige schon fast schablonenhafte Charaktere, in diesem Fall Meikes Drogen-Verfolger, die so tendenziell kein Fettnäpchen auslassen und so für ein bisschen Spritzigkeit abseits der etwas eiernden Hauptgeschichte zu geben. Insbesondere die herrlich berlinernden Polizisten, die Currywurst essend eine Übergabe verfolgen und kommentieren, sind ein Highlight an Komik abseits der Trailerszenen.
Aber in der Summe plätschert der Film unspektakulär vor sich hin und man spürt jede der 94 Minuten zäh vergehen. Kaum ein Potential wurde effektiv genutzt, wenn überhaupt. Was bleibt, ist ein auf Strecken unterhaltender Film auf wenig innovativem Niveau. Gerettet wird der Film nur durch die zwei Schauspieler, die ihre Charakterzüge aus anderen Filmen konsequent durchziehen und so einerseits etwas rebellisch und keck, andererseits romantisch den Film etwas Substanz geben.
Durchschnittliche Bewertung von "Offroad" bei 1 Bewertung: 4/10 Sternchen
Geschrieben von phil am 16. Januar 2012 unter Filmkritiken || keine Kommentare
Tags: Elyas M'Barek, Nora Tschirner, Offroad
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