Willkommen Filmfan!
Filme im Fokus
Podcast, Kritiken, Tipps

Filmkritiken – Condensed

Leute, der Punkt ist erreicht: ich gucke zu viele Filme. Entweder das, oder meine Lust, für jeden Film eine ausführliche Kritik zu schreiben, hat mich temporär mal verlassen. Auf jeden Fall gibt es für die inzwischen sechs Filme, die ich in den letzten fünf Tagen gesehen habe hier nur eine kurze Kritik von mir. Kurz, knapp, ab ins Kino, zack, zack!

Der Ja-Sager

Ich war überrascht wie gut mir diese Komödie mit Jim Carrey gefallen hat. Obwohl ich ohne Begleitung im Kino war und insgesamt in der frühen Nachmittagsvorstellung nur gut 20 Leutchen saßen, habe ich den Film ziemlich „abgefeiert“. Von Beginn an war Carrey sympathisch, feuerte gleich zu Beginn einige Lachsalven ab, unterhielt mich dann gut mit einer nicht zu sehr in den Vordergrund drängenden Love-Story und seiner – zugegeben sehr platten und offensichtlichen – Botschaft „Sag ja zum Leben!“. Kein Film für die Ewigkeit, aber für einen lustigen DVD-Abend mit nur leichter Unterhaltung gut geeignet.

Rating: ★★★★★★★☆☆☆

Der Rosarote Panther 2

Eigentlich ist jedes Wort über diesen Film zuviel. Ein absoluter Totalausfall. Nicht ein einziges mal konnten meine Begleitung und ich lachen. Und ich habe selbst bei „Vorbilder“ hier und da gelacht… Kann sein, dass viele Wortspiele in der deutschen Übersetzung über die Wupper gegangen sind, aber hier hat wirklich kein Gag gezündet. Einzig die Kinder im Vorschulalter schienen halbwegs ihren Spaß zu haben. Ich habe ja nun wirklich schon so einiges im Kino gesehen, aber ich glaube hier habe ich mich erstmals bei einer Komödie über die verschenkte Lebenszeit geärgert.

Rating: ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆

Hilde

Hildegard Knef war eine streitbare Künstlerin, mit der zu Lebzeiten nicht jeder warm geworden ist. Auch ich habe mich bisher nie mit ihr als Person oder ihrem Werk groß auseinander gesetzt. Und dennoch hat mir der Film sehr gut gefallen. Heike Makatsch setzt hier ihrem bisherigen schauspielerischen Schaffen die Krone auf, gibt sie die Knef doch sehr authentisch. Vor allem die Sprechstimme hat mich schwer begeistert, da Makatsch tatsächlich diesen leicht maskulinen Ton trifft, der die Knef so unverwechselbar macht. Wer Angst hat mit dem Film ein Quasi-Musical zu sehen: gesungene Lieder kommen in dem Film nur sehr selten vor, insgesamt vielleicht drei Stück. Den Schwerpunkt legt der Film zum einen auf die starke Persönlichkeit der Knef, die wohl wie kaum eine andere einem Stehaufmännchen glich. Zum anderen wird die Akzeptanz des deutschen Publikums thematisiert, das sie zuerst feierte und nach „Die Sünderin“ verstoßen hat. Hier und da eine kleine Länge lässt sich gut verschmerzen. Sicherlich kein Pflichtfilm, aber wer sich eine gute Biographie eines deutschen Nachkriegs-Stars ansehen will, der bekommt hier eine gute Alternative.

Rating: ★★★★★★★☆☆☆

96 Hours

Viele Kritiker loben „96 Hours“ als einen der besten Action-Filme der letzten Jahre. Ich kann nur zustimmen. Liam Neeson gibt in seiner abgewetzten Lederjacke und mit Leidensmiene einen guten Ex-Agenten ab, der sich durch die Unterwelt kämpft, um seine entführte Tochter zu finden. Die gezeigte Action ist in weiten Teilen – so man das denn so nennen mag – „realistisch“. Doch in einigen Szenen wird dann in bestern Luc-Besson-Manier doch ein wenig zu sehr auf die Tube gedrückt. Wenn Neeson sich im Nahkampf zeitgleich gegen fünf Gegner behaupten kann, denkt man schon: „Es hätten auch zwei, drei Gegner weniger getan.“ Gerade in diesen „Massen-Kampfszenen“ verliert der Film oft seinen Hang zum Realismus. Nichtsdestotrotz legt der Film ein gutes Erzähltempo vor, so dass dem Zuschauer zu keiner Minute langweilig wird. So müssen gute Action-Thriller aussehen!

Rating: ★★★★★★★★★☆

The Watchmen

Als Comic-Unerfahrerner ging ich unvoreingenommen in den Film und wurde nicht enttäuscht. Zach Snyder hat mit „The Watchmen“ eine umfangreiche Comic-Verfilmung erschaffen, die im Gegensatz zu vielen anderen mit viel Hintergrundwissen und Tiefgang aufwarten kann. Im Mittelpunkt steht natürlich der Kampf von Gut gegen Böse, doch im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres, sind hier auch mal die Guten böse und haben ihre menschlichen Schwächen. Brachiale Action weicht erfreulich weit in den Hintergrund, wird aber trotzdem perfekt in Szene gesetzt. Mit gut drei Stunden ist die Verfilmung für meinen Geschmack fast ein wenig zu lang geraten – und wirkt trotzdem noch an einigen Stellen arg verkürzt. Kein Wunder: der Director’s Cut geht über vier Stunden. Vielleicht hätte sich eine Aufsplittung in zwei Filme eher angeboten, ähnlich wie bei „Herr der Ringe“. Ein erster Teil, der zeigt wie die Watchmen entstehen und letztlich verboten werden; und ein zweiter Teil, der sich mit dem aktuellen Geschehen beschäftigt. Egal: sehenswert ist der Film auf jeden Fall. Nicht nur in der Anfangs-Sequenz, in der auf ein Apartment mit der Nummer „3001“ gezoomt wird, ist erkennbar, dass der Regisseur auch für „300“ verantwortlich zeichnet. Snyder bedient sich wieder bei den Filmtechniken, die auch schon „300“ zu einem brachialen Augenschmaus gemacht haben. Vor allem der Vorspann ist allererste Güte. Dass mir natürlich besonders gefallen hat, die Hendrix-Version von Bob Dylans „All Along The Watchtower“ mal aus den fetten Kinoboxen zu hören, ist klar…

Rating: ★★★★★★★★☆☆

Slumdog Millionär

Ein Film, der schwer in knappe Sätze zu fassen ist. Zwar mag es ein wenig pathetisch klingen, aber ich hatte bei dem Film sehr stark das Gefühl, tief in die Seele Indiens blicken zu können. Regisseur Danny Boyle schafft es mit vielen kleinen Kameraeinstellungen, ein Gefühl für die Kultur und die Lebenswirklichkeit in Indien zu vermitteln. Allein die erste Szene, eine wilde Verfolgungsjagd durch die Slums von Mumbay, strotzt nur so von kleinen Bildern, die einen Eindruck des Straßenlebens in Indien geben. Blinde Bettler, herumlungernde Hunde, klagende Frauen – all das, jeweils nur für Sekundenbruchteile in schnellen Schnitten zu sehen, verschafft in kürzester Zeit mehr Atmosphäre für die indischen Slums als so manche stundenlange Dokumentation. Auf im folgenden erwartet den Zuschauer eine farbenfrohe Bildgewalt mit ausdrucksstarken Perspektiven und gut aufgelegten Laiendarstellern. Die Story kann durchaus fesseln und kommt erfreulicherweise ohne den klischeehaften Bollywood-Kitsch aus. Dieser hat nur einen ironischen Auftritt im Abspann, eine kleine Verbeugung vor der produktivsten Filmindustrie der Welt.

Dass „Slumdog“ mit der Realität von Millionen armen Menschen in Indien nichts zu tun hat, ist offensichtlich; ein Gefühl für die Lebensumstände kann er dennoch erzeugen. Allein die ausgeklügelten Bildkompositionen, die bis ins letzte Detail und bis in den letzten Sekundenbruchteil durchgeplant wirken, sind den Gang ins Kino wert.

Rating: ★★★★★★★★★☆

Kommentar hinterlassen