The Tourist – Filmkritik

Der US-Amerikaner Frank (Johnny Depp) ist ein verwitweter Mathelehrer, der als Tourist quer durch Europa reist. Während einer Zugfahrt setzt sich die bezaubernde Elise (Angelina Jolie) neben ihn und betört ihn fortan mit sinnlichen Blicken und charmanter Konversation. In Florenz angekommen bietet sie dem frisch Eingelullten an, gemeinsam mit ihm im Hotel abzusteigen. Das lässt sich Frank natürlich nicht zweimal sagen. Als er dann am nächsten Morgen nicht von der mysteriösen Schönheit, sondern von einem Killer-Kommando geweckt wird, geht im langsam auf, dass er da in eine kriminelle Sache hineingezogen wurde.

Ein wenig enttäuscht darf man sicherlich sein wenn Deutschlands junges Regie-Wunderkind, dessen „Das Leben der anderen“ den Oscar gewonnen hat, einen so belanglosen Krimi als Nachfolger abliefert. Nicht nur auf den ersten Blick ist „The Tourist“ nicht viel mehr als eine uninspirierte Mixtur von Filmen wie „Auf der Flucht“ oder „Knight & Day“. Was dem Film auf der Handlungsebene abgeht, macht er zumindest ansatzweise mit seiner Machart wieder wett.
Florian Henckel von Donnersmarck inszeniert den Film ganz im Sinne seiner Vorbilder aus den 50er Jahren. Es tut gut mal wieder einen Krimi zu sehen, der nicht im Schnittgewitter zerfleischt wird, sondern eine gewisse Ruhe ausstrahlt; sich Zeit nimmt für Darsteller und Szenerie. Florenz, der Ort des Gesehens, wurde von HvD mit Bedacht gewählt: er präsentiert uns eine Stadt, in der die Zeit stillzustehen scheint. Es gibt nicht viele Anzeichen, die darauf hindeuten, dass der Film in der Jetztzeit spielt. Abgesehen von hochmodernen Tresoren und Computern könnte der Film auch in der Mitte des letzten Jahrhunderts angesiedelt sein.
Doch nicht nur das beschaulich-romantische Florenz wird gut in Szene gesetzt: Angelina Jolie versprüht in „The Tourist“ eine von ihr noch nie gesehene Eleganz und Anmut. Wenn sie dann grazil im Abendkleid inklusive Samthandschuhen und raffinierter Frisur in den Raum schwebt, entgleiten nicht nur Franks Gesichtszüge. Wow! Kein Wunder, dass es Johnny Depp schwer fällt, da gegenzuhalten. Sein Charme, den er nun wahrlich schon in vielen Filmen unter Beweis gestellt hat, geht hier sang- und klanglos unter. In seiner Rolle ist er natürlich auch auf den romantisch-naiven Trottel reduziert, der auf der Leinwand gar nicht glänzen kann. Dieser Film gehört der Jolie allein.
Vielleicht ist es meinen normalen Sehgewohnheiten geschuldet, dass mich dieser Film nicht vollends überzeugen kann. Schönen Bildern wird hier gerne viel Platz und Zeit eingeräumt – ein wenig mehr Pep hätte es für mich dann aber schon sein dürfen, zumindest in gezielt gesetzten Dosierungen. So bleibt „The Tourist“ für mich ein Film, der trotz toller Optik nie wirklich zu fesseln vermag, gescheitert an dem fehlenden Tempo und noch viel mehr an der belanglosen Story, die man schon zigfach auf der Leinwand gesehen hat.
Geschrieben von andreas am 10. Januar 2011 unter Filmkritiken || keine Kommentare
