The Social Network – Filmkritik
Man könnte meinen, dem Filmbusiness gehen so langsam die Ideen aus. In Zeiten, in denen ernsthaft Verfilmungen von Spielen wie „Monopoly“ oder „Schiffe versenken“ produziert werden, braucht es einen auch nicht wundern, dass ein Biopic über einen 26jährigen gemacht wird. Zugegeben: außergewöhnlich ist er schon, dieser Marc Zuckerberg, Erfinder von Facebook. Nicht ganz so außergewöhnlich ist hingegen die Tatsache, dass erfolgreiche Menschen mit Neidern leben müssen und ebenso mit Menschen, die sich von ihrem Erfolg eine Scheibe abschneiden wollen. Was das angeht, bietet Zuckerbergs bisheriges Leben tatsächlich Stoff für einen zweistündigen Film. In „The Social Network“ geht es um die Entstehungsgeschichte von Facebook, einem sozialen Netzwerk, das inzwischen eine halbe Milliarde Nutzer weltweit vereint. Es geht darum, dass das Programmier-Genie Zuckerberg im Auftrag von zwei Harvard-Studenten ein Uni-Freundesnetzwerk programmieren sollte, er seine Auftraggeber aber so lange hinhält bis er selbst mit genau dieser Idee auf den Markt kommt. Anhand der Verhandlungen rund um diesen Ideenklau wird in Flashbacks der Beginn des weltweit am schnellsten an Wert gewinnenden Unternehmens gezeigt.

„The Social Network“ ist ein Film, der seinen Zuschauern zu jeder Zeit die komplette Aufmerksamkeit abverlangt. Zum einen liegt das an eben jenen Flashbacks, die gerne mal im 10-Sekunden-Takt zwischen unterschiedlichen Zeiten hin und her springen. Zum anderen liegt es an der Dialoglastigkeit des Films. Hier werden teils komplexe Zusammenhänge in einem derartigen Tempo und ohne Atempause durchgehechelt, dass es manchmal schwer fällt, hinterherzukommen. Zwar gelingt es Regisseur Fincher ganz gut, alles möglichst verständlich zu halten und das unvermeidliche Nerd-Kauderwelsch als unverständliches Nerd-Kauderwelsch zu deklarieren, aber für jemanden, der sich mit der Materie noch nie auseinandergesetzt hat, wird es vermutlich trotzdem schwer.
Die schauspielerische Leistung der Darsteller ist durchweg als gut zu bezeichnen. Jesse Eisenberg spielt den Facebook-Gründer sehr unaufgeregt und wird so dem an Freundschaften scheinbar uninteressierten Computernerd so ganz gerecht. Andrew Garfield überzeugt ebenfalls als einziger echter Freund Zuckerbergs, der letztlich das Bauernopfer auf dem Weg zum Erfolg sein wird. Justin Timberlake schafft es, in seiner Darstellung des Napster-Gründers Sean Parker sowohl glaubhaft jenen Menschen darzustellen, der die Musikbranche in ihre schlimmste Krise stürzte, als auch ihn mit einer unscheinbaren Glanzlosigkeit zu versehen.
Auf der Handlungsebene mag der Film nicht wirklich viel zu bieten haben: der Aufstieg von Facebook, die Klage von Trittbrettfahrern und der Verlust eines Freundes versprechen auf den ersten Blick nicht gerade einen unterhaltsamen Kino-Abend. Aber: der Film ist durchaus sehenswert und hat meiner Meinung nach nicht den hohen „Nerd-Faktor“, der ihm in einigen Kritiken unterstellt wurde, die mir zu Ohren gekommen sind.

Es ist schwer, zu diesem Film eine wirklich objektive Kritik zu schreiben. Diese Kritik wird vor Subjektivität und vor allem persönlichen Gründen nur so triefen.
Marc Zuckerberg ist nur wenige Monate älter als ich. Somit gehört dem Zuckerberg eine Menge Sympathie durch Empathie. Zudem schreibt Zuckerberg Webseiten – wie ich. Zuckerberg erfand Facemash und thefacebook, ich scripte mir die Nächte um die Ohren für das Nerdtalk-Besucher-Tippspiel. Zugegeben, der Vergleich hinkt etwas, der Zuckerberg hat damit _etwas_ mehr Erfolg gehabt. Und doch arbeiten wir auf der selben Basis: Der Start von Facebook lief wie Nerdtalk auf einem Apache Webserver, nutzte als Datenbank MySQL und Facebook nutzt heute immer noch PHP als Skriptsprache – wie Nerdtalk.
Der “Connect” zwischen uns beiden ist also gar nicht mal so hanebüchen, wie er erscheinen könnte.
Aber kommen wir zum Film:
Der Film startet mit einer langen Dialogsequenz, die die Fahrtrichtung des gesamten Werkes anzeigt. Es wird viel geredet, die Wortwechsel sind schnell und man muss dem Film durchgehend eine Aufmerksamkeit zukommen lassen, sonst verliert man den Faden im Dialog. Besonders in der ersten Viertelstunde ist der Nerdfaktor unermessbar hoch, es fliegen IT-Fachbegriffe wie Directory Listing, wget und PHP-Script. Ich blühte total auf, zugegeben aber eher ein Einzelschicksal – der Nicht-IT’ler mag zur Blockierung neigen.
Für den allgemeinen Zuschauer erleichternd ging der Nerdfaktor nach dem ersten “Hacking” aber zurück und man konnte der Geschichte auch ohne PHP-Kenntnisse folgen. Dies verhindert aber nicht, dass man für diesen Film Basis-IT-Kenntnisse haben sollte – und optimalerweise selbst Mitglied bei Facebook sein sollte.
Ich bin von dem Aufstieg der Seite fasziniert, aber auch von der Skrupellosigkeit, die Marc Zuckerberg an den Tag legt. Von daher klebte ich nahezu an jeder Silbe, die der im Film recht zurückhaltende Zuckerberg von sich gab. Insbesondere die Anhörungen, die zeitweise verwirrend in den Zeiten sprangen, strotzten nur von Wortgefechten, bei denen Zuckerberg die Obrigkeien mit ohrfeigen-artiger Eloquenz auflaufen ließ. Schade, dass Applaus in einer Kinovorstellung eher unüblich ist.
Doch der Film ist auch eine Art Biographie über Zuckerberg selbst. Für meinen Eindruck erscheint er im Film etwas zu stark abwesend, schon fast autistisch. Dass der echte Zuckerberg schüchtern ist und sich eher bedeckt hält, ist bekannt, doch der Film legte noch eine ordentliche Schippe drauf. Auch die Mimik sorgte mit einem leichten Überbiss eher für das Bild des Deppen als eines vielleicht schüchternen, aber verdammt intelligenten Menschen.
Doch auch abgelöst von dem Gedanken, dass es hier um Facebook ginge, ist die Geschichte vom normalen Studenten zum jüngsten Selfmade-Milliardär faszinierend und erschreckend zugleich. Mit einer Kühlheit, die schon fast beängstigend ist, schafft es ein junge Mann, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen, mit den richtigen Leuten zu verkehren und zuletzt unwichtiger gewordene Personen hinterrücks wieder aus dem Boot zu schmeissen – ohne, dass diese es merken.
Allem zum Trotz bleibt der Wiederseh-Faktor aus: Die Geschichte ist erzählt und derart stringent und -im Verhältnis- ereignislos, dass es mich trotz Gefallen nicht reizt, ihn ein zweites Mal sehen zu wollen
Aber ich bleibe dabei: Damit der Film wirkt, muss man ein Facebooker sein – ansonsten geht bei diesem Film sehr schnell der Flair verloren und man fühlt sich bei den schnellen Wortwechseln entweder überfordert oder gelangweilt.
Übrigens: uns Nerdtalker gibt es auch bei Facebook. Schaut doch mal rein!
Stimmen aus den Nachbar-Blogs:
Fünf Filmfreunde
Symparanekronemoi
Equilibrium
Spätvorstellung
Durchschnittliche Bewertung von "The Social Network" bei 2 Bewertungen: 8/10 Sternchen
Geschrieben von andreas am 17. Oktober 2010 unter Filmkritiken || 2 Kommentare

Aus Geek-Sicht gibts da aber ein paar Fehler im Film
http://imgur.com/a/Mqk9w
[...] sondern „unplugged“ schon der beste Lacher des Films ist (weil Darsteller Eisenberg in „Social Network“ den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gespielt hat), sagt das viel über die Humorlosigkeit des [...]