Willkommen Filmfan!
Der wöchentliche Film-Schnack im Netz
Podcast, Kritiken, Tipps

Die etwas anderen Cops – Filmkritik

Die_etwas_anderen_Cops

Terry (Mark Wahlberg, „The Departed“) und Allen (Will Ferrell, „Schräger als Fiktion“) haben es gar nicht leicht. Anstatt wie ihre beiden heimlichen Vorbilder Highsmith (Samuel L. Jackson, „Pulp Fiction“) und Danson (Dwayne Johnson, „The Scorpion King“) als eisenharte Cops auf New Yorks Straßen für Recht und Ordnung zu sorgen, dürfen sie nur für die Helden der Stadt die langweiligen Polizeiberichte abtippen. Wie der Zufall es so will ergibt sich aber doch die Chance, dass Terry und Allen das öde Büro gegen das aufregende – und gefährliche – Leben auf der Straße tauschen können. Gemeinsam machen sie sich daran, einen richtig großen Fall von Wirtschaftsbetrug zu lösen.

Grafik

Welch Überraschung: der Trailer führt einen eigentlich auf die richtige Fährte. Man erwartet eine klamaukige Polizeiklamotte, irgendwo zwischen „Police Academy“ und „Lethal Weapon“. Die bekommt man auch, aber dennoch kann der Film durchaus überraschen. Wer etwa glaubt, dass hier ein andauernder Wettstreit der Teams Terry/Allen und Highsmith/Danson gezeigt wird, wird schnell sein blaues Wunder erleben.

Für eine amerikanische Komödie kommt der Film doch erfrischend daher, bricht hier und da mit diversen Action-Komödien-Konventionen. Viele Ideen sind einfach nur irrsinnig – wer sich darauf einlassen kann wird sie aber auch irrsinnig lustig finden. Dass ein Bürohengst, wie ihn Ferrell darstellt, so eine Rakete wie Eva Mendes als Ehefrau hat und sie von der Optik her nur als „geht gerade noch so“ einschätzt, der sollte genau hinsehen wenn er einige herrliche Einblicke in seine Biographie gibt. Frei nach dem Motto: da geht noch einer drüber! Und dennoch sehr gelungen: bei den meisten Gags wird der Bogen nicht überspannt, die Witze nicht toterzählt. Ein Running Gang wird nur so lange mitgenommen, solange er tatsächlich noch läuft und ihm nicht die Puste ausgeht.

Was für den Humor gilt, gilt leider nicht immer für die Handlung. Da gibt es hin und wieder schon ein wenig Leerlauf, da hilft auch die hohe Gagdichte nicht drüber hinweg. Dafür ist die Wahl der Schauspieler aber ausgezeichnet. Während Ferrell von der Optik her so gar nicht zu der ihm angedichteten Vita passen will (und genau dadurch so herrlich lustig wird), ist Wahlberg eine gute Wahl, was einen unbeholfenen, teils temperamentvollen, aber immer planlosen Kerl angeht. Dass er auch anders kann hat er in Filmen wie „Shooter“ oder „The Italian Job“ bewiesen. Sich hier gewissermaßen eine Blöße zu geben macht ihn mir sympathisch. Über Eva Mendes müssen wir ja wohl nicht reden…

Eine weitere Sache ist mir positiv aufgefallen, die in vielen Filmen gerne vermieden wird: Anspielungen auf echte Promis, die tatsächlich auch beim Namen genannt werden. Das machte den Film hier an einigen Stellen noch ein wenig authentischer. Schön auch, dass hier bei einem kurzen Intermezzo bei einem Spiel der NY Knicks in der ersten Reihe tatsächlich ein paar VIPs gesessen haben und keine Statisten. Cameo-Auftritte – ich liebe das!

Das Beste was man über eine Komödie sagen kann trifft in meinem Fall auf „Die etwas anderen Cops“ voll und ganz zu: auch Tage später muss ich immer wieder über verschiedene Szenen des Films herzhaft lachen. Das macht ihn zwar noch lange nicht zu einem Klassiker, geschweige denn zu einer Komödie mit Anspruch; wer zugunsten eines lustigen Abends aber auf die Erwartung einer edlen Filmperle verzichten und über einige Schwächen in der eher spannungsarmen Handlung hinwegsehen kann, der wird hier seinen Spaß haben.

Grafik

Polizeikomödien gibt es ja genug. Police Academy war mit die erste, später kamen viele, ich meine: richtig viele weitere Komödien. Mit zweifelhaftem Erfolg.
In exakt diese Kerbe schlägt auch “Die etwas anderen Cops”. Nur ohne Kerbe.

Der Film startet furios mit einer Verfolgungsjagd, wo gefühlt halb New York zerlegt wird, während Dwayne Johnson knallharte Onliner raushaut. Fetter Einstieg. Und zugleich wird einem klar, dass der Film weder einen Anspruch auf durchdachte Komik erhebt noch sich selbst ganz ernst nimmt.
Gerade Zweiteres macht den Film dann zu einer Komödie, die sich dann doch schön von der Masse abhebt. Die Geschehnisse sind derart überdreht, dass man sehr schnell mit Freude auf den Zug aufsteigt und den Film quasi nur noch feiern kann. Man muss nur seine Ansprüche etwas herunterschrauben, was aber angesichts des fulminanten, aber für den Film sprechenden Einstiegs recht leicht fallen sollte.
Gefiel mir die absolute Ferne von jeglicher Realität der Person Barry (Steve Carell) aus “Dinner für Spinner” so gar nicht, so finde ich, dass Will Ferrel den Allen Gamble nahezu perfekt spielt. Auch die Familienkonstellation ist derart konfus, dass man nur lachend den Kopf schütteln kann.
Doch auch diese Komödie erleidet den Verlauf vieler Genrekollegen: Sie verliert an Schwung. Nach einer lustigen und kreativen halben Stunde bricht das Lach-o-meter merkbar ein und die Geschichte dümpelt vor sich hin. Ich will nicht sagen, dass es keinen Witz mehr gibt, wohl aber, dass die Witze nicht mehr den Schenkelklopferfaktor haben wie man es aus der ersten halben Stunde erfahren hat. Da hätte mehr drin sein müssen.

“Die etwas anderen Cops” wird nicht in die Analen der Komödien eingehen, im Gegenteil: Er wird schnell wieder vergessen werden. Aber mit einer Portion guter Laune (oder der einen oder anderen Flasche Bier) verlebt man einen lustigen Abend, wenn man seine Anforderungen runterschraubt und einfach den Film wirken lässt. Ich habe das geschafft. :)

Stimmen aus den Nachbar-Blogs:

Kino-Blog
Flimmerblog
Film & Co.

Durchschnittliche Bewertung von "Die etwas anderen Cops" bei 2 Bewertungen: 7.5/10 Sternchen

Geschrieben von am 15. Oktober 2010 unter Filmkritiken || keine Kommentare

Kommentar hinterlassen