Schwedisch für Fortgeschrittene – Filmkritik
Genre: Komödie
Titel/Originaltitel: Heartbreak Hotel
Herkunftsland/Jahr: Schweden, 2006
Länge: 110 Minuten
Kinostart: 5. Juli 2007
Regie: Colin Nutley
Drehbuch: Colin Nutley
Darsteller: Helena Bergström, Maria Lundqvist, Claes Mansson, Johan Rabaeus
Offizielle Webseite – IMDB – Trailer
Ollys [rating:4/10]
Inhalt:
Das erste Aufeinandertreffen von Lisa und Gudrun verläuft suboptimal. Die Politesse Gudrun steckt der Gynäkologin Lisa ausgerechnet am Hochzeitstag ihres Sohnes ein Knöllchen ans Auto. Der Streit eskaliert in eine Wortschwall aus Kraftsausdrücken. Doch wie sagt das alte Sprichwort: „Man trifft sich immer zweimal im Leben.“ In diesem Fall in einer Frauenarzt-Praxis… Per Zufall treffen sich die beiden Frauen ein drittes Mal und lernen sich aufgrund dieser schicksalhaften Umstände näher kennen.
Gudrun lebt zurückgezogen und verwitwet mit ihrer Tochter zusammen, die ihre Mutter ständig auffordert, mal wieder „unter Menschen“ zu gehen. Lisa hingegen hat gerade die Scheidung von ihrem Mann hinter sich und genießt das Stockholmer Nachtleben nun wieder in freien Zügen. Nach ein wenig Motivationsarbeit machen die beiden die örtlichen Tanzflächen schnell gemeinsam unsicher. Aber wie es eben immer so ist: wenn etwas im Party-Leben Ärger macht, dann sind es die Männer…

Durch diverse Lady’s Nights hatte der Film schon einige Vorschusslorbeeren erhalten. Meiner Meinung nach wird er diesen auch durchaus gerecht. „Schwedisch für Fortgeschrittene“ ist eine unterhaltsame Komödie, die ansatzweise ein wenig Tiefgang bietet, aber nie in das Genre des ernsthaften Dramas wechselt. Schon beim ersten Treffen wird durch die inflationäre benutzten Kraftausdrücke die Marschrichtung klar: hier wird kein Blatt vor den Mund genommen.
Die Dialoge entsprechen teilweise schon sehr den klischeehaften Vorstellungen, die mit dem Thema „Party-Weiber“ verbunden sind („Schnapp dir doch den Kerl dahinten, so bringst Du wenigstens heute noch deine Gummis an den Mann…“). Beide Hauptcharaktere sind auf ihre eigene Weise sehr sympathisch, wenn auch die Glaubhaftigkeit in frage gestellt werden kann. Klar: eine Frau, die dermaßen „breitbeinig“ ihre neugewonnene Freiheit einfordert ist ebenso unrealistisch wie eine in sich gekehrte, verbitterte Frau, die Minuten später tanzend durch die Discos hüpft. Für meinen Geschmack nimmt der Film an Anfang ein wenig behäbig Fahrt auf und kommt dann auch zu abrupt zu seinem Ende.
Männer sollten sich bei diesem Film im Klaren darüber sein, dass sie nicht wirklich gut wegkommen. Zum einen sind da die ehemaligen Ehepartner, die nichts als Probleme machen, zum anderen die jüngeren Disco-Gänger, die anscheinend nach Belieben ins Bett gezerrt werden können. Aber mit einem Film, der Männer als Stimmungsbremsen und Betthäschen präsentiert, habe ich kein Problem. Über weite Strecken ist der Film wirklich sehr unterhaltsam und wirkt mit seinen teils ruhigen und ernsteren Szenen sehr „skandinavisch“.
Olly:
Es ist kein Zufall, dass Schwedisch für Fortgeschrittene seinen Siegeszug in den Lady Nächten der großen Kinoketten feiert. Der Film ist eine Großabrechnung mit der chauvinistischen Männerwelt und lässt dabei kein noch so plattes Klischee aus. Natürlich hat die verbitterte Gudrun noch nie einen Orgasmus gehabt, Männer können ja so gemein sein. Nachdem beide Frauen das Sklavenleben (sprich: ihre Männer) hinter sich gelassen haben, entdecken sie die Lust am Leben und drehen dann richtig auf.
Das Ganze erinnerte mich ein wenig an eine überlange Folge Sex and the City und setzt dabei auf ähnliche Witze. Im TV wäre der Film vermutlich auch deutlich besser aufgehoben gewesen. Und immer dann, wenn kurz das Gefühl aufkommt, der Film könnte einen lichten Moment haben, wird dieser sofort von den beiden Hauptdarstellerinnen in Grund und Boden gequatscht. So zum Beispiel als Gudrun ihren Ex-Mann wiedertrifft.
Zugegeben, der eine oder andere Witz ist ganz nett, darüber hinaus gibt‘s überwiegend nervig-zähe Dialoge, platte Klischees und Vorurteile.
Durchschnittliche Bewertung von "Schwedisch für Fortgeschrittene" bei 1 Bewertung: 7/10 Sternchen
Geschrieben von andreas am 11. Juli 2007 unter Film, Filmkritiken || keine Kommentare
Tags: drama, Film, Filmkritik, Komödie, schweden
