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2:37 (Two Thirty 7)

2-37-poster1.jpgTitel/Originaltitel: 2:37
Herkunftsland/Jahr: Australien, 2006
Länge: 99 Minuten
Kinostart: 19. Juli 2007
Regie: Stephen Hopkins
Drehbuch: Murali K. Thalluri
Darsteller: Teresa Palmer, Joel Mackenzie, Frank Sweet, Clementine Mellor
Offizielle WebseiteIMDBTrailer

Andys

Inhalt:

Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag: das idyllische Highschool-Leben gerät ins Wanken als aus einer abgeschlossenen Schüler-Toilette komische Geräusche ertönen und ein blutiges Rinnsal langsam unter der Tür hervorgekrochen kommt. Sofort ist klar: hier ist etwas passiert, anscheinend ein Selbstmordversuch. Doch wer seinem Leben hier ein jähes Ende setzen will, lassen die Filmemacher vorerst offen. Sie wenden sich lieber dem Beginn dieses schicksalhaften Tages zu und zeigen verschiedene Schüler bei der alltäglichen Bewältigung ihrer mehr oder minder großen Probleme. Der Zuschauer erhält Einblick in ein ziemliches Schreckens-Kabinett des post-pubertären Erwachsenwerdens. Während ein Junge nach seinem Outing unter den Repressalien seiner Mitschüler leidet, beschäftigt die Freundin des Schul-Schönlings die ebenfalls sehr hübsche Konkurrentin, die ihr anscheinend den Freund ausspannen will. Ein anderer Schüler nässt sich aufgrund einer körperlichen Behinderung regelmäßig ein. Auf der Mädchentoilette wird klar, dass eines der hübschen Mädchen an Bulimie leidet, während eine andere schwanger ist. Diese und andere Probleme geben dem Zuschauer das Gefühl, dass mehr als nur ein Schüler einen nachvollziehbaren Grund für einen Freitod hätte. Auf dem Weg zur Aufklärung erlebt der Zuschauer viele Überraschungen und tappt bis zuletzt im Dunkeln.

andi1.jpegAndy:

Auch einen Tag nachdem ich diesen Film gesehen habe, wirkt er sehr stark in mir nach. Während das Drama bei vielen anderen Besuchern sehr schlecht angekommen ist, hat es mich komplett vereinnahmt. Zugegeben: der Film geizt tatsächlich mit Handlung, zeigt er doch mehr oder weniger über weite Strecken einen normalen Highschool-Alltag mit seinen Höhen und Tiefen. Doch genau das gibt dem Film einen besonderen Reiz: der Kontrast zwischen oberflächlicher „heiler Welt“ und tatsächlichem „größten Seelenleid“. Die Probleme der einzelnen Schüler bleiben der Außenwelt großteils verborgen. Lehrer finden in diesem Film gar nicht statt, was die Frage erlaubt „Welche Rolle können Lehrer in solchen Situationen eigentlich spielen? Können sie überhaupt die Probleme ihrer Schüler erahnen, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden?“. Die Antwort ist deprimierend, aber eindringlich. Das Ende hinterließ bei mir einen dicken Kloß im Hals und ungeweinte Tränen, Ratlosigkeit. Die Story kann ganz schön runterziehen, nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen – ist es wichtig sich mit den Sichtweisen und Problemen anderer Menschen auseinanderzusetzen. Sich in sie hineinzuversetzen.

Hier setzt auch mein einziger Kritikpunkt am Film an: für einen überraschten Sneak-Besucher wie mich war es schwer sich erst mal mit der Erzählweise des Films anzufreunden. Nach einem ersten „Hier passiert ja nix“ der ersten 15 Minuten nach dem gezeigten Selbstmord-Versuch wurde aber schnell klar, dass hier doch eine ganze Menge passiert – nur eben ohne, dass es sich in eine Schlag-auf-Schlag-Handlung entlädt. Nun, da ich weiß wie ich diesen Film zu sehen habe, auf was ich mich einzustellen habe, würde ich auch den Anfang mit anderen Augen sehen. Es gibt eben auch Filme, die durchaus mal von ihren Längen profitieren können, geben sie doch Gelegenheit, die Charaktere besser herauszuarbeiten. Der Soundtrack tut sein übriges, um die morbide Stimmung zu betonen.

Handwerklich ist der Film gut gemacht: das durchweg unbekannte australische Jungschauspieler-Ensemble wirkt sehr glaubwürdig und stimmig besetzt. Interessant für mich vor allem der Erzählstil: ähnlich dem ziemlich genialen „11:14“ sehen wir verschiedene Sachverhalte häufig aus mehreren Perspektiven. Eine Schülerin, die in der vorigen Einstellung nur durch das Bild gehuscht ist, ist wenige Minuten später in genau jener Einstellung die Hauptperson. So etwas liebe ich sowieso! Auch sonst greift der Film kameratechnisch in die Trickkiste der unaufdringlichen Effekte: zwischen einzelnen Szenen sehen wir die Gesichter der Hauptpersonen leinwandfüllend in intensiven Interview-Sequenzen; an anderer Stelle sehen wir eine minutenlange Kamerafahrt ohne einen einzigen Schnitt („Children Of Men“ lässt grüßen).

Klar, dieser Film ist nicht jedermanns Geschmack und wird in den Kinos ziemlich untergehen. Wer jedoch neben dem üblichen Popcorn-Kino auch gern mal einen Problemfilm sieht und sich dann auch noch auf Erzählweise und Handlung einlassen kann, der kann hier ein echtes Juwel entdecken. Einen Film, der einen wirklich „bei den Eiern packt“ und kräftig durchschüttelt. Denk-Kino vom Feinsten, das tief unter die Haut geht.

Geschrieben von am 05. Juli 2007 unter Film || 4 Kommentare

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4 Responses

  1. Jan sagt:

    Ähnlich habe ich den Film auch empfunden. Die große Frage bleibt zum Schluß aber trotzdem. Warum K…. Es war der einzigste Charkter, der nicht besonders hervorgehoben wurde. Man kann nicht so richtig nachvollziehen warum sie diesen Schritt begeht. Wegen der Isolationlation, das Abgewiesen werden. Gewöhnungsbedürftig auch das Umschwenken von dem ruhigen und ausgeglichenen Teenager, der eben noch durch die Schule geht und so einige Ereignisse Revue passieren lässt, dann der Schnitt auf die Toilette, wo sie vor Angst weinend und wimmernd aber wild entschlossen ihrem Leben ein Ende macht. Jeder der 6 anderen hätte einen triftigeren Grund gehabt, selbstmord zu begehen. Wahrscheinlich aber gerade darum, lebt der Film auch noch im Nachhinein beim Betrachter. Für mich ein ganz starker Film.

  2. andreas sagt:

    @Jan:
    Gerade dieses Unvorhersehbare, Überraschende macht den Film für mich so besonders. Es stellt sich die Frage: wieso halten die einen schlimmste Demütigungen und Schmerzen aus und warum brechen andere unter ihrer – subjektiv gesehen – vergleichsweise leichten Last zusammen? Und er ziegt gleichzeitig, dass die Nichtbeachtung vielleicht die schwerste von allen Lasten sein kann. Auch nach zwei Wochen wühlt der Film mich immer noch auf.

  3. Jan sagt:

    Ich habe mir 2:37 gestern sogar noch ein 2. Mal angesehen, um vielleicht Details zu entdecken, die mir beim ersten Besuch verborgen blieben. Es ging mir aber auch darum, einen Antwort auf die Frage “Warum” zu bekommen. Gab es einen versteckten Hinweis, der beim 1. Besuch verborgen blieb? Auch bei diesem Besuch blieb die Beantwortung der Frage weitestgehend aus. Die Schlüsselszene ist wohl das Zusammentreffen mit Marcus, der ihr unzufrieden mit seinem Test, die kalte Schulter zeigt. Der blutend und das Taschentuch nehmende Steven hätte wahrscheinlich noch die letzte Chance gehabt, die Katastrophe zu verhindern. War aber, wie alle in dieser Schule, mit sich und seinen Problemen beschäftigt. Handwerklich ist der Film sehr gut gemacht. Das fällt besonders in Bezug auf die verschieden Persperktiven und manchmal zeitlich gleich laufenden Handlungsstängen auf. Hier betrachtet ich auch in dem Bezug die Positionen der Personen. Irgendwo musste ja aus dem vorherigen Szene jener auftauchen, der jetzt aus dem Blick eines anderen gesehen wird. Hier fiel z.B. auch den Szenen am Ende ein Mädchen auf, das auf dem Weg in den Schulhof ist, kurz bevor Marcus seine Schwester wegen der Schwangerschaft zur Rede stellt. Auch mit dieser Betrachtungsweise war der Film sehr kurzweilig, da ich den Fokus auf ganz andere Sachen legen konnte.

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